Leinen

Schon die Ägypter des dritten vorchristlichen Jahrtausends kannten Leinen bzw. Leinengewebe. Etwa 1500 Jahre später kamen diese Stoffe mit den Phöniziern nach Griechenland, wo man bald Flachs, den Lieferant der Leinenfaser, selbst anzubauen begann. Die Römer verwendeten Leinen für ihre Tuniken und ersetzten damit die Wollstoffe. Im Mittelalter war grobes Leinen, das aus Faserabfällen gesponnen und gewebt wurde, das Material für die Kleidung der niederen Stände, während sich die Wohlhabenden Unterwäsche aus den feineren Qualitäten dieses Gewebes leisten konnten. Bis zum 16. Jahrhundert entwickelte sich das Leinen mehr und mehr zum Stoff für Hemden, Kragen und Manschetten. Im 18. Jahrhundert trug der vornehme Herr feinste Leinen- oder Seidenhemden. Heute spielt Leinen zwar keine so große Rolle mehr wie vor der allgemeinen Verbreitung der Baumwolle im 19. Jahrhundert, dennoch bleibt es ein ideales Material für Kleidung und Accessoires.

Leinen knittert bekanntlich. Bei Anzügen oder Kleidern kann das zum Problem werden, vor allem bei der Geschäftsgarderobe. Beim Taschentuch ist der Verlust der Glätte hingegen von geringem Belang. Wichtiger ist eine andere Eigenschaft des Leinens: Es kann bis zu 20 Prozent seines Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen. Das macht Leinen ideal als Stoff für Sommerkleidung, Nachtwäsche und eben auch für Taschentücher. Obendrein fühlt sich dieses Gewebe stets kühl an. Ein akkurat gebügeltes Leinentaschentuch morgens aus der Schublade zu nehmen ist ein schönes Ritual für den Tagesbeginn. Das Tuch griffbereit in der Tasche zu wissen, vermittelt das sichere Gefühl, stilvoll für den Tag gewappnet zu sein. Weiße Leinentaschentücher eignen sich übrigens auch als Einstecktuch für die Brusttasche des Herrenanzugs. Man benutzt sie dann wohlgemerkt jedoch nicht zum Schnäuzen, es dient in diesem Fall nur zur Zierde. Das Taschentuch muss nicht zwingend in der Hosentasche getragen werden. Herren wie Damen stecken es traditionell auch in den Ärmel von Sakko oder Blazer.

Irisches Leinen

Leinen und Irland, das gehört zusammen wie Whisky und Schottland. Denn in Nordirland, zwischen den Flüssen Bann und Lagan, konzentriert sich die gesamte Industrie. Irland produziert immer noch fast ein Viertel des in Europa gesponnenen Leinengarns. Seit dem 16. Jahrhundert ist dieser Zweig der Textilbranche

Leinen Taschentuchin Irland zu seiner heutigen Größe angewachsen. Von Belfast aus wurde das Leinen seit dem 18. Jahrhundert an englische Großhändler verkauft.

Auf den mechanischen Webstühlen entstand zunächst jedoch nur grobes Leinen, da die Flachsfaser recht brüchig ist. Feine Ware entstand weiterhin auf Handwebstühlen. Mit der 1825 entwickelten Nassspinnmethode wurde es möglich, auch feinere Qualitäten in großem Stil zu weben. Im 19. Jahrhundert breitete sich das irische Leinen in der ganzen Welt aus und wurde zum Synonym für ein besonders hochwertiges Leinengewebe. Besonders die Italiener schätzten das Leinen dieser Provenienz ganz besonders. Bis heute ist irisches Leinen die erste Wahl für Anzüge, Kleider, Wäsche und auch unsere Taschentücher.

Weitere Themen in unserer Warenkunde: Baumwolle, Saum